Grand Tour of Switzerland – 92 Schilder. Und ein paar Höhenmeter.

Schilder
81 / 92
Strecke
3.440 km
Höhenmeter
52.560 hm

46 Sehenswürdigkeiten, 13 UNESCO-Welterbestätten, 22 Seen, 5 Alpenpässe und 4 Sprachregionen: Auf 1.643 Kilometern führt die Grand Tour of Switzerland mit dem Auto oder Motorrad quer durch die Schweiz.

Unser Ziel: alle 92 Foto-Spots einsammeln – mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Wir planen unsere Routen selbst und verbinden die Schilder über die schönsten Rad- und Wanderwege. So entsteht nach und nach unsere ganz persönliche Grand Tour durch die Schweiz.

Während die ersten Schilder noch Zufallsfunde waren, wurde Ende 2023 die Idee geboren: Wir wollen sie alle. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Grand-Tour-Fundus aus überschaubaren 75 Schildern. Seitdem sprießen wie von Zauberhand immer wieder neue Schilder aus dem Boden. Heute warten insgesamt 92 Schilder auf den Grand-Tour-Enthusiasten.

Die Tourenplanung folgt dem einfachen Grundsatz: Schilder werden sinnvoll miteinander verbunden und der Raum dazwischen mit weiteren Highlights ausgeschmückt. Zumeist mit Schlafsack und Isomatte im Gepäck wird sich etappenweise um jedes Schild verdient gemacht. Das passiert im Idealfall schneller, als neue Schilder aus dem Boden wachsen.

Am Schild angekommen startet das anmutige Grand-Tour-Yoga: Für keine Verrenkung zu schade, kitzeln wir auch mal zwischen Autos, Gestrüpp und Zäunen – kniend, hockend oder liegend – das Beste aus jedem Foto-Spot heraus. Die Faustregel besagt: Je krummer die Wirbelsäule, desto besser der Bildschnitt. In aller Bescheidenheit kann ich sagen: Wir sind Profis.

Die Herausforderung: zur richtigen Zeit am richtigen Schild zu sein. Denn steht das Schild im Schatten, schmerzen nicht nur die Waden, sondern auch das Herz und die Seele. Es gibt dankbare Schilder und Schilder, die direkt dem Schattenreich entsprungen sein müssen und jeden Sonnenstrahl zu meiden wissen. Mit diesen Schildern muss es irgendwann ein Wiedersehen geben. Dieses Mal vorbereitet, mit dem großen Besteck unserer geballten Grand-Tour-Expertise. Scharrende Grüße nach St. Gallen, Erlach und ins Schloss Hallwyl. Diese Schilder sind der Endgegner eines jeden Fotografen.

Tatort Giessbach

So plötzlich wie neue Schilder aus dem Boden wachsen, so plötzlich können sie auch verschwinden. Auf unserer Tour um den Brienzer- und Thunersee führte uns der Weg zum Grandhotel Giessbach. Die Mission: der Foto-Spot Giessbach. Kaum angekommen, drängte sich schnell eine Frage auf: Schön hier, aber wo ist das Schild? Nach akribischer Ermittlungsarbeit mussten wir mit Bestürzung feststellen: Der Foto-Spot Giessbach wurde Opfer eines Verbrechens. Das Schild wurde skrupellos um die Ecke gebracht und seiner Identität beraubt.

Heute steht am ursprünglichen Standort des Schildes eine unschuldige Holzbank. Für eine Holzbank ein zugegebenermaßen schweres Erbe. Summa summarum bleibt festzustellen: Nichts Genaues weiß man nicht. Was wir aber wissen: Wir waren am Standort des Schildes und wir waren am Schild. Das lässt mit Augenzwinkern nur eine sinnvolle Schlussfolgerung zu: Mission erfolgreich abgeschlossen. Das nächste Schild wartet schon.

Hier würde ich nochmal hinradeln

Vier Orte, an denen ich gerne länger geblieben wäre – und zu denen ich jederzeit noch einmal hinradeln würde:

  1. Obermutten: Ein Walserdörfchen auf rund 1.860 Metern – eine Handvoll sonnengegerbter Holzhäuser, eine kleine Kapelle und ringsum nichts als Bergpanorama. Abseits der großen Routen erreicht man es über eine schmale, kurvige Bergstraße – und wird oben mit einem Blick weit über die Bündner Gipfel belohnt.
  2. Erlach: Ein mittelalterliches Städtchen am Bielersee mit Schloss und verwinkelten Gassen. Von hier führt der Heidenweg als schmaler Landstreifen durch Schilf und Uferlandschaft zur St. Petersinsel. Schon Jean-Jacques Rousseau fand dort 1765 für einige Wochen Ruhe. Wer mag, folgt dem Weg zu Fuß oder mit dem Velo bis zur ehemaligen Klosteranlage auf der Insel.
  3. Morcote: Palmen, Pastellfassaden und der Luganersee direkt vor der Haustür: Morcote wirkt, als hätte jemand ein Stück Mittelmeer in die Schweiz verlegt. Über unzählige Treppenstufen geht es hinauf zur Kirche Santa Maria del Sasso – belohnt mit einem Blick über Dächer, See und Hügel bis nach Italien.
  4. Kloster Einsiedeln: Barock, wohin man blickt: Die monumentale Fassade mit ihren Doppeltürmen beherrscht den weitläufigen Klosterplatz. Seit über tausend Jahren ist Einsiedeln ein bedeutender Ort benediktinischen Lebens und mit der Schwarzen Madonna ein Ziel für Pilger aus aller Welt.

Darf es ein bisschen mehr sein?

Wer Lust auf mehr bekommen hat, dem sei ein Besuch bei meinem Grand-Tour-Compagnon Frank Nachtwey empfohlen. Wir haben das Projekt gemeinsam gestartet und wollen es auch gemeinsam zu Ende bringen – sofern wir schneller radeln können als neue Schilder aufgebaut werden. Frank gebührt außerdem besonderer Dank für die zahlreichen Beweisfotos vom Grand-Tour-Yoga, die längst eine eigene Galerie verdient hätten.

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